Die Stadt, die Kolmanskop ablöste
1928 wurden an der Mündung des Oranje Diamantenvorkommen entdeckt, die alles in den Feldern bei Lüderitz in den Schatten stellten: Steine, die der Fluss aus dem Inneren Südafrikas gebracht und das Meer in Terrassen an den Strand gelegt hatte. Die CDM verlagerte ihre Zukunft dorthin, gründete 1936 die Stadt Oranjemund am Nordufer der Mündung und zog 1941 mit der Zentrale um. Die große Werkstatt aus Kolmanskop wurde abgebaut und hier wieder aufgestellt, wo sie bis heute als Magazin dient; der Uhrturm, der vor der Verwaltung in Kolmanskop gestanden hatte, steht seither vor der Grundschule. 1951 verband die Oppenheimer-Brücke die Stadt mit Südafrika, und die Versorgungsroute über Kolmanskop war Geschichte.
Achtzig Jahre geschlossen
Oranjemund war eine reine Firmenstadt: Die Häuser gehörten der CDM, später der Namdeb, praktisch alle Einwohner arbeiteten für die Mine, und wer nicht dazugehörte, kam nicht hinein. Ein Permit brauchte man für die Einreise wie für einen fremden Staat, und wer ausreiste, wurde auf Diamanten kontrolliert. Erst 2011 wurde die Stadt formal aus dem Besitz der Gesellschaft entlassen, 2012 bekam sie einen Stadtrat, und am 21. Oktober 2017 fielen die Zugangskontrollen. Seitdem darf jeder nach Oranjemund – nicht aber auf das Minengelände, das weiterhin Sperrgebiet ist.
Die Stadt hat rund 10.000 Einwohner, eine erstaunlich grüne Anlage am Fluss und eine Attraktion, die man nirgends sonst findet: Oryxantilopen, die durch die Vorgärten und über den Golfplatz spazieren, weil sie hier seit Jahrzehnten niemand jagt. Es gibt Unterkünfte, ein Museum zur Geschichte der Diamantenstadt, Austernzucht und Vogelbeobachtung an der Flussmündung, die zu den wichtigsten Feuchtgebieten der Küste gehört.
Diamantenabbau heute
Namibia gehört bei den Diamanten nach Wert zu den wichtigsten Förderländern der Welt – nicht wegen der Menge, sondern wegen der Qualität: Ein sehr hoher Anteil der Steine hat Schmuckqualität, der Rest ist auf dem Weg von Kimberley bis hierher zerbrochen. Die Namdeb, seit 1994 ein Gemeinschaftsunternehmen des namibischen Staates und von De Beers, fördert an Land um Oranjemund, wo mit riesigen Dämmen dem Meer Strandabschnitte abgerungen werden, die dann bis auf den Fels abgetragen werden. Der größere Teil kommt inzwischen von See: Spezialschiffe der Debmarine Namibia saugen vor der Küste den Meeresboden ab und sortieren die Diamanten an Bord. Die Landförderung bei Oranjemund war mehrfach vor dem Aus und wurde zuletzt bis in die 2040er-Jahre verlängert.
Anreise
Oranjemund erreichen Sie von Lüderitz oder Keetmanshoop über Rosh Pinah und die C13, die entlang des Oranje durch den südlichen Teil des Nationalparks führt – etwa 400 Kilometer von Lüderitz, überwiegend Schotter, landschaftlich großartig. Ein Permit für die Stadt ist nicht mehr nötig; das Minengelände bleibt gesperrt. Der Grenzübergang nach Alexander Bay in Südafrika liegt direkt an der Stadt. Wer die ganze Geschichte der Diamantenküste sehen will, fährt sie so: Lüderitz, Kolmanskop, Bogenfels – und dann den Fluss hinunter nach Oranjemund, wo sie weitergeht.
