Warum die Diamanten im Sand liegen
Die Diamanten der namibischen Küste stammen nicht aus der Namib. Sie wurden über Jahrmillionen vom Oranje aus dem Inneren Südafrikas ins Meer gespült, von der Benguelaströmung nach Norden getragen, an den Strand geworfen und vom Wind landeinwärts geweht. Auf dem Weg zerbrachen die Steine mit Fehlern; was in der Namib ankam, war klein, aber von außergewöhnlicher Reinheit – ein hoher Anteil Schmuckqualität. Die Steine lagen in Senken und Tälern, oft nur wenige Zentimeter tief, manchmal offen an der Oberfläche. Das erklärt die Szenen von 1908: Männer, die auf Knien durch den Sand rutschen und im Mondlicht nach Glitzern suchen.


Handarbeit: Sieb, Zuber, Bierkiste
Die erste Ausrüstung bestand aus Schüttelsieben, Waschzubern und, wie es in den Quellen heißt, Bierkisten. Der Sand wurde ausgegraben, gesiebt, um das Grobe zu entfernen, dann in Wasser gewaschen. Weil Diamanten deutlich schwerer sind als Sand, sammeln sie sich beim Rütteln in der Mitte des Siebbodens, im „Herzen“, das anschließend von Hand abgesucht wurde. Vier Arbeitsschritte, die auf einer zeitgenössischen Bildtafel festgehalten sind: Schüttelsieb, Waschmaschine, Handsiebe, Absuchen.
Das Problem war das Wasser. In der Namib gibt es keines, und jeder Liter musste per Bahn gebracht werden. Der Lüderitzer Schmied Albert Plietz und der Schlossermeister Schulz entwickelten deshalb die Plietz-Setzmaschine: Ein Sieb mit dem vorsortierten Kies wird in ein Wasserbecken getaucht und in eine pulsierende Bewegung versetzt; die schweren Körner wandern in die Mitte des Siebbodens. Die Maschine war einfach, brauchte wenig Wasser und war so wirksam, dass sie jahrzehntelang in Gebrauch blieb. Reihen solcher Klassierer und Setzmaschinen liegen heute noch halb im Sand bei den Ruinen der Centralwäsche.








Maschinen: Bagger, Trommelsieb, Centralwäsche
Sobald die Oberfläche abgesammelt war, begann die Industrie. Elektrische Bagger mit Trommelsieben, ab 1913 auf den Feldern im Einsatz, gruben den diamanthaltigen Sand ab, siebten ihn grob vor und luden ihn in Loren der Werksbahn. Die Bahn brachte ihn zur Wäsche – ab 1914 zur Centralwäsche bei Kolmanskop, wo er in einer vierstöckigen Anlage nach Korngröße getrennt, gewaschen und konzentriert wurde. 1.500 Kubikmeter Sand in einer 18-Stunden-Schicht schaffte die Anlage anfangs, unter der CDM ab den 1920er-Jahren 3.000. Steinbrechertrommeln, Förderbänder und Greifbagger gehörten zum Inventar. Was am Ende übrig blieb, war ein paar Kilogramm Konzentrat, das per Hand ausgelesen wurde – unter strenger Aufsicht.












Alle historischen Aufnahmen: Koloniales Bildarchiv, Universitätsbibliothek Frankfurt am Main.
Die Felder und ihre Namen
Kolmanskop war nur die Zentrale. Die eigentlichen Felder lagen südlich, entlang der Küste: Elisabethbucht, Pomona, Bogenfels, Kolmanskop selbst mit Nordblock und Fiskusblock. Viele Einzelfelder bekamen eigene Namen, manche nüchtern (Schmidtfeld nach dem Unternehmer G. F. Schmidt), manche poetisch: Feld Unverhofft, Märchental, Hexenkessel. August Stauch benannte die Täler bei Pomona nach seiner Familie – Idatal, Barbaratal, Mariannental.
Diamantensicherheit
Wo Steine im Wert eines Jahreslohns in eine Hosentasche passen, wird Kontrolle zur Architektur. Polizeiposten standen an Wasserstellen und Bahnhöfen, um „die Bewegung von Menschen und Diamanten“ zu überwachen. Wer ins Sperrgebiet wollte, brauchte einen Erlaubnisschein; das Museum zeigt einen von 1929, ausgestellt für den Besuch einer Familie in Kolmanskuppe. Und das Röntgengerät des Krankenhauses, so erzählt man, diente nicht nur der Medizin. Vieles davon gilt bis heute: Das Gelände von Kolmanskop ist eingezäunt, und der Zaun ist die Grenze des Diamantengesetzes.





