Elektrischer Bagger mit Trommelsieb auf den Diamantenfeldern, kolorierte Postkarte

Kapitel 4 · Technik

Der Diamantenabbau

Die Diamanten der Namib liegen nicht im Fels, sondern im Sand. Das machte den Abbau anfangs kinderleicht – und ab 1910 zu einer Frage von Strom, Wasser und schwerem Gerät.

Koloniales Bildarchiv, UB Frankfurt am Main

Warum die Diamanten im Sand liegen

Die Diamanten der namibischen Küste stammen nicht aus der Namib. Sie wurden über Jahrmillionen vom Oranje aus dem Inneren Südafrikas ins Meer gespült, von der Benguelaströmung nach Norden getragen, an den Strand geworfen und vom Wind landeinwärts geweht. Auf dem Weg zerbrachen die Steine mit Fehlern; was in der Namib ankam, war klein, aber von außergewöhnlicher Reinheit – ein hoher Anteil Schmuckqualität. Die Steine lagen in Senken und Tälern, oft nur wenige Zentimeter tief, manchmal offen an der Oberfläche. Das erklärt die Szenen von 1908: Männer, die auf Knien durch den Sand rutschen und im Mondlicht nach Glitzern suchen.

Arbeiter suchen mit bloßen Händen im Sand nach Diamanten
Diamantensuche per Hand, um 1908.Koloniales Bildarchiv, UB Frankfurt am Main
Männer am Tisch beim Auslesen von Diamanten aus dem Konzentrat
Auslesen der Diamanten aus dem Konzentrat.Koloniales Bildarchiv, UB Frankfurt am Main

Handarbeit: Sieb, Zuber, Bierkiste

Die erste Ausrüstung bestand aus Schüttelsieben, Waschzubern und, wie es in den Quellen heißt, Bierkisten. Der Sand wurde ausgegraben, gesiebt, um das Grobe zu entfernen, dann in Wasser gewaschen. Weil Diamanten deutlich schwerer sind als Sand, sammeln sie sich beim Rütteln in der Mitte des Siebbodens, im „Herzen“, das anschließend von Hand abgesucht wurde. Vier Arbeitsschritte, die auf einer zeitgenössischen Bildtafel festgehalten sind: Schüttelsieb, Waschmaschine, Handsiebe, Absuchen.

Das Problem war das Wasser. In der Namib gibt es keines, und jeder Liter musste per Bahn gebracht werden. Der Lüderitzer Schmied Albert Plietz und der Schlossermeister Schulz entwickelten deshalb die Plietz-Setzmaschine: Ein Sieb mit dem vorsortierten Kies wird in ein Wasserbecken getaucht und in eine pulsierende Bewegung versetzt; die schweren Körner wandern in die Mitte des Siebbodens. Die Maschine war einfach, brauchte wenig Wasser und war so wirksam, dass sie jahrzehntelang in Gebrauch blieb. Reihen solcher Klassierer und Setzmaschinen liegen heute noch halb im Sand bei den Ruinen der Centralwäsche.

Diamantenaufbereitung mit dem „Schichelsieb“ (Setzmaschine)
Diamantenaufbereitung mit dem „Schichelsieb“ (Setzmaschine)
Diamantensuche und -gewinnung im Feld
Diamantensuche und -gewinnung im Feld
Abraumhügel nach dem Aussieben – jede Kuppe ein abgesuchter Fleck
Abraumhügel nach dem Aussieben – jede Kuppe ein abgesuchter Fleck
Auf den Diamantenfeldern, Ochsenwagen und Reiter
Auf den Diamantenfeldern, Ochsenwagen und Reiter
Blick über die Diamantenfelder mit Abraumhügeln
Blick über die Diamantenfelder mit Abraumhügeln
Fahrt von der Station Kolmanskop zu den Diamantenfeldern
Fahrt von der Station Kolmanskop zu den Diamantenfeldern
Setzmaschinen-Anlage der Kolmanskop Diamond Mines Ltd.
Setzmaschinen-Anlage der Kolmanskop Diamond Mines Ltd.
Die Diamantenfelder, kolorierte Postkarte
Die Diamantenfelder, kolorierte Postkarte

Maschinen: Bagger, Trommelsieb, Centralwäsche

Sobald die Oberfläche abgesammelt war, begann die Industrie. Elektrische Bagger mit Trommelsieben, ab 1913 auf den Feldern im Einsatz, gruben den diamanthaltigen Sand ab, siebten ihn grob vor und luden ihn in Loren der Werksbahn. Die Bahn brachte ihn zur Wäsche – ab 1914 zur Centralwäsche bei Kolmanskop, wo er in einer vierstöckigen Anlage nach Korngröße getrennt, gewaschen und konzentriert wurde. 1.500 Kubikmeter Sand in einer 18-Stunden-Schicht schaffte die Anlage anfangs, unter der CDM ab den 1920er-Jahren 3.000. Steinbrechertrommeln, Förderbänder und Greifbagger gehörten zum Inventar. Was am Ende übrig blieb, war ein paar Kilogramm Konzentrat, das per Hand ausgelesen wurde – unter strenger Aufsicht.

Elektrischer Bagger mit Trommelsieb, 1913
Elektrischer Bagger mit Trommelsieb, 1913
Bagger beim Abtragen einer Sandschicht
Bagger beim Abtragen einer Sandschicht
Greifbagger beim Verladen in Loren
Greifbagger beim Verladen in Loren
Förderanlage auf dem Feld
Förderanlage auf dem Feld
Steinbrechertrommel
Steinbrechertrommel
Diamantenwerk mit Förderturm
Diamantenwerk mit Förderturm
Aufbereitungsanlage
Aufbereitungsanlage
Das Diamantenwerk Kolmanskuppe
Das Diamantenwerk Kolmanskuppe
Stahlkonstruktion für eine Förderanlage, 1914
Stahlkonstruktion für eine Förderanlage, 1914
Bau der Fiskuswäsche, 1914
Bau der Fiskuswäsche, 1914
Stahlgerüst der Fiskuswäsche
Stahlgerüst der Fiskuswäsche
Loren mit Arbeitern auf der Werksbahn
Loren mit Arbeitern auf der Werksbahn

Alle historischen Aufnahmen: Koloniales Bildarchiv, Universitätsbibliothek Frankfurt am Main.

Die Felder und ihre Namen

Kolmanskop war nur die Zentrale. Die eigentlichen Felder lagen südlich, entlang der Küste: Elisabethbucht, Pomona, Bogenfels, Kolmanskop selbst mit Nordblock und Fiskusblock. Viele Einzelfelder bekamen eigene Namen, manche nüchtern (Schmidtfeld nach dem Unternehmer G. F. Schmidt), manche poetisch: Feld Unverhofft, Märchental, Hexenkessel. August Stauch benannte die Täler bei Pomona nach seiner Familie – Idatal, Barbaratal, Mariannental.

Feld Unverhofft
Feld Unverhofft
Schmidtfeld
Schmidtfeld
Schmidtfeld, Förderbrücke
Schmidtfeld, Förderbrücke
Waschwerk in Pomona
Waschwerk in Pomona

Diamantensicherheit

Wo Steine im Wert eines Jahreslohns in eine Hosentasche passen, wird Kontrolle zur Architektur. Polizeiposten standen an Wasserstellen und Bahnhöfen, um „die Bewegung von Menschen und Diamanten“ zu überwachen. Wer ins Sperrgebiet wollte, brauchte einen Erlaubnisschein; das Museum zeigt einen von 1929, ausgestellt für den Besuch einer Familie in Kolmanskuppe. Und das Röntgengerät des Krankenhauses, so erzählt man, diente nicht nur der Medizin. Vieles davon gilt bis heute: Das Gelände von Kolmanskop ist eingezäunt, und der Zaun ist die Grenze des Diamantengesetzes.

Erlaubnisschein der CDM von 1929 für den Besuch einer Familie in Kolmanskuppe
C.D.M. Permit Nr. 0790, 1929: Erlaubnisschein für den Besuch einer Familie in Kolmanskuppe – „by road or rail from Lüderitzbucht via Kolmanskop and vice versa“.Koloniales Bildarchiv, UB Frankfurt am Main